„Wozu braucht der Meister denn Rhetorik“

(Foto: Sergey Lavrentev) Wir senden Worte aus und beobachten, was diese Worte für Reaktionen bei dem Empfänger auslösen.

Wozu braucht der Meister denn Rhetorik – muss der jetzt Reden halten?“

Warum Handwerksmeister sich rhetorisch schulen lassen sollten.

Rhetorik – das ist doch die Kunst perfekte Reden zu halten, oder? Im Handwerk ist Fachkenntnis und handwerkliches Geschick gefragt, und nicht das „Reden schwingen“. Also braucht der Meister dafür wohl kaum ein Seminar.

Eine kleine Geschichte:
Ein Handwerksmeister produziert schon seit Jahren in seinem Handwerksbetrieb Spezialwerkzeuge in sehr großer Qualität für einen speziellen Kundenkreis. Seine Produkte sind bei seiner Zielgruppe durchaus gefragt und er ist mit den erzielten Umsätzen auch ganz zufrieden. Nur auf der Ertragsseite wird es immer knapper. Die Lohn- und sonstigen Erstellungskosten steigen langsam aber permanent und fressen zunehmend seine Gewinne auf.
Er sieht zwei Lösungen. Die erste, er müsste wesentlich größere Mengen einkaufen, um bei den Lieferanten Mengenrabatte zu erhalten, dann könnte er auch noch schneller arbeiten und liefern und zweitens brächte er mehr Geld um wieder auf Messen und durch andere Werbe-und Marketingaktivitäten neue Kunden zu erschließen.

Für beides braucht er Geld – also einen Kredit und Förderungen.
Er geht zu seiner Hausbank und zu einer Förderbank. Beide haben nun einen gemeinsamen Termin veranschlagt, auf dem der Meister seinen Finanzbedarf darstellen und begründen soll.
Er verschiebt den Termin erst einmal. Ich soll da vor so vielen Leuten reden, denkt er, das muss ich noch einmal überlegen.

Eine andere Geschichte:
Ein Handwerksmeister ist ein im Umkreis bekannter Fensterbauer. Er hat an einer Ausschreibung für eine Eigentumswohnanlage teilgenommen und nun entscheiden die zukünftigen Eigentümer bei einer Bemusterungsveranstaltung, welche Fensterbaufirma für alle Häuser und Wohnungen den Zuschlag erhalten wird.
Dazu sind alle, der Architekt, die Bauherren, also die zukünftigen Eigentümer, die Mitbewerber und unser Fensterbaumeister eingeladen. Vor dieser Runde, und vor allem vor diesen anderen Handwerkern soll er nun sein Produkt vorstellen, erklären, bewerben und gegen die Konkurrenz verteidigen.

Dabei denkt er, mein Produkt ist freilich das beste, das sieht doch jeder, da muss man keine großen Worte machen.
Eine Woche nach dieser Bemusterung erfährt er vom Architekten, dass sich die Auftraggeber für eine andere Fensterbaufirma entschieden haben.
Er fragt sich, warum nur, warum nur haben die sich nicht für ihn, den mit der besten Qualität entschieden.

Eine letzte Geschichte:
Unser Meister ist mit der Disziplin und der Arbeitsmoral einiger seiner Gesellen nicht zufrieden.
Aus diesem Grunde ruft er an einem Freitagnachmittag seine Belegschaft zusammen um in einer Versammlung diese Problematik ausführlich zu besprechen.
Als sich nun alle versammelt haben beginnt unser Meister von den Baustellen zu erzählen und von dem, was er demnächst alles vor hat. Zwischendurch fällt ihm noch ein, dass er ein paar Sachen vergessen hat zu bestellen – er muss schnell mal telefonieren und als er zurück kommt, sind einige Mitarbeiter auf der Raucherinsel abwesend und einige laden die Autos für die nächste Woche vor. Unser Meister ruft alle wieder herein. Nun reicht es ihm aber mit dieser Disziplinlosigkeit. Er schimpft über alle und jeden, ohne konkret zu werden, wärmt alle gemachten Verfehlungen der letzten Jahre nochmals auf und schildert pointiert und namentlich, wie sich die aus seiner Sicht krassesten Fehler dargestellt haben. Dabei spricht er laut, manchmal schreit er, klopft sich immer wieder auf die Stirn und schlägt mit der Hand auf den Tisch.
Am Ende der „Besprechung“ verlassen alle Mitarbeiter schweigend den Raum. Am darauf folgenden Montag erhält er fünf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.

Diese drei kleinen Episoden sollen verdeutlichen, dass jeder Mensch für bestimmte Situationen in seinem Leben mit rhetorischen Fertigkeiten eine höhere Selbstwirksamkeit erzielen könnte. Dabei geht es nicht um geschickte Wortjonglierungen, Manipulationen und Überredungskunst, sondern schlicht darum, durch die Anwendung von überzeugender angemessener Sprache, Verständlichkeit und Vertrauen aufzubauen.
Denn nur wer sich wirklich verständlich machen kann, also ein Zustand entsteht, in dem der Andere nicht nur hört was ich sage, sondern auch versteht was ich meine, kann die Basis für Vertrauen entstehen. Und Vertrauen steht am Anfang eines jeden Geschäfts.
Jeder Mensch, der tagtäglich zwischenmenschliche Interaktion pflegt oder pflegen muss, braucht diese Art der Überzeugungskraft und dieses Vertrauens, um sein Tagwerk zu realisieren.

Der Handwerksmeister befindet sich innerhalb eines Spannungsbogens zwischen,
dem Kunden,
dem Einkauf, bei dem der Handwerker als Kunde verhandeln muss,
den finanziellen Dienstleistern und Aufsichten, also den Banken, Kapitalgebern bis hin zu den Finanzamt,
den Mitarbeitern, die sowohl Vertrauen, Förderung, Anleitung aber auch Forderung und Kontrolle bedürfen, gelobt und kritisiert werden müssen,
der Familie, die sowohl Quelle der Kraft ist, wie auch Anspruch auf Zuwendung und Achtsamkeit hat und letztendlich,
den Freunden des Handwerkers, die ebenfalls mit Beachtung bedacht werden müssen, wenn sich Freundschaften nicht zur Einbahnstraße damit ins Aus entwickeln sollen.

Was passiert in einem Rhetorikseminar für Handwerksmeister?

Jeder gesunde Mensch kann reden und hat die Möglichkeit sich mitzuteilen. Ganz intuitiv haben wir neben dem eigentlichen Spracherwerb auch gelernt, wann wir, wie, welche Worte einsetzen sollten und welche Wirkungen wir damit erzielen.

Wir senden Worte aus und beobachten, was diese Worte für Reaktionen bei dem Empfänger auslösen. Stellt uns das Ergebnis zufrieden, denken wir nicht länger nach und gehen davon aus, das wir richtig verstanden wurden und alles o.k. ist.
Schwierig wird es erst, wenn die Reaktion nicht wunschgerecht ausfällt. Jetzt gilt es zu ermitteln, wie es möglich war, das eine kommunikative Störung eingetreten ist.

Genau hier setzt ein Rhetorikseminar an. Es wird also gelernt und vermittelt, wie die zwischenmenschliche Interaktion reibungsfreier funktionieren kann und wie ich mit meiner Ausdrucksweise meine Gedanken, anderen Menschen – hirngerecht – also verarbeitbar und merkbar vermitteln kann.
In einem solchen Seminar erfahre ich, wie ich mich wirkungsvoller ausdrücken kann und wie es mir gelingen kann, dass andere Menschen mir bei meinen Ausführungen mehr Beachtung schenken. Denn darum geht es, jeder Mensch möchte, dass er beachtet und wertgeschätzt wird. Das erreicht er jedoch nur, wenn er authentisch, souverän, überzeugend und situationsgerecht agiert.
Dafür bekommt der Handwerksmeister, der ein solches Seminar besucht etwas ganz wichtiges, das er sonst wohl nur von guten Freunden erhält – nämlich ehrliches FEEDBACK!
Vielen Menschen fehlt diese wichtige Erfahrung, die so entscheidend für eine realistische Einschätzung des Eigenbildes ist, eben diese Feedbacks anderer Menschen.
Feedback erdet.
Deshalb lernen die Seminarteilnehmer nicht nur, wie sich besser verständlich machen können, wie sie Aufmerksamkeit ernten, Beachtung geschenkt bekommen, Unterbrechern und Störern begegnen müssen und schlussendlich ihre Selbstwirksamkeit erhöhen, sondern sie erhalten auch ein Feedback zu ihrer Wirkung auf andere Menschen in verschiedenen Situationen. Sie lernen sich dabei auch ein bisschen selbst besser kennen.
Natürlich lernt man Sprechen nur mit und beim Sprechen. Das bringt jedoch viel Spaß, und nichts macht Menschen erfolgreicher als der Erfolg.

 

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