{"id":890,"date":"2017-08-14T13:44:05","date_gmt":"2017-08-14T13:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/hypo-campus.de\/?p=890"},"modified":"2017-08-24T13:11:25","modified_gmt":"2017-08-24T13:11:25","slug":"wozu-braucht-der-meister-denn-rhetorik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hypo-campus.de\/?p=890","title":{"rendered":"\u201eWozu braucht der Meister denn Rhetorik&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_512\" aria-describedby=\"caption-attachment-512\" style=\"width: 313px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-512 size-medium\" src=\"http:\/\/hypo-campus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/91599934-313x469.jpg\" alt=\"\" width=\"313\" height=\"469\" srcset=\"http:\/\/hypo-campus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/91599934-313x469.jpg 313w, http:\/\/hypo-campus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/91599934-768x1152.jpg 768w, http:\/\/hypo-campus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/91599934-1067x1600.jpg 1067w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-512\" class=\"wp-caption-text\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">(Foto: Sergey Lavrentev) <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">Wir senden Worte aus und beobachten, was diese Worte f\u00fcr Reaktionen bei dem Empf\u00e4nger ausl\u00f6sen.<\/span> <\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201e<b>Wozu braucht der Meister denn Rhetorik \u2013 muss der jetzt Reden halten?\u201c<\/b><\/p>\n<p><b>Warum Handwerksmeister sich rhetorisch schulen lassen sollten.<\/b><\/p>\n<p>Rhetorik \u2013 das ist doch die Kunst perfekte Reden zu halten, oder? Im Handwerk ist Fachkenntnis und handwerkliches Geschick gefragt, und nicht das \u201eReden schwingen\u201c. Also braucht der Meister daf\u00fcr wohl kaum ein Seminar.<\/p>\n<p><b>Eine kleine Geschichte:<\/b><br \/>\nEin Handwerksmeister produziert schon seit Jahren in seinem Handwerksbetrieb Spezialwerkzeuge in sehr gro\u00dfer Qualit\u00e4t f\u00fcr einen speziellen Kundenkreis. Seine Produkte sind bei seiner Zielgruppe durchaus gefragt und er ist mit den erzielten Ums\u00e4tzen auch ganz zufrieden. Nur auf der Ertragsseite wird es immer knapper. Die Lohn- und sonstigen Erstellungskosten steigen langsam aber permanent und fressen zunehmend seine Gewinne auf.<br \/>\nEr sieht zwei L\u00f6sungen. Die erste, er m\u00fcsste wesentlich gr\u00f6\u00dfere Mengen einkaufen, um bei den Lieferanten Mengenrabatte zu erhalten, dann k\u00f6nnte er auch noch schneller arbeiten und liefern und zweitens br\u00e4chte er mehr Geld um wieder auf Messen und durch andere Werbe-und Marketingaktivit\u00e4ten neue Kunden zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr beides braucht er Geld \u2013 also einen Kredit und F\u00f6rderungen.<br \/>\nEr geht zu seiner Hausbank und zu einer F\u00f6rderbank. Beide haben nun einen gemeinsamen Termin veranschlagt, auf dem der Meister seinen Finanzbedarf darstellen und begr\u00fcnden soll.<br \/>\nEr verschiebt den Termin erst einmal. Ich soll da vor so vielen Leuten reden, denkt er, das muss ich noch einmal \u00fcberlegen.<\/p>\n<p><b>Eine andere Geschichte:<\/b><br \/>\nEin Handwerksmeister ist ein im Umkreis bekannter Fensterbauer. Er hat an einer Ausschreibung f\u00fcr eine Eigentumswohnanlage teilgenommen und nun entscheiden die zuk\u00fcnftigen Eigent\u00fcmer bei einer Bemusterungsveranstaltung, welche Fensterbaufirma f\u00fcr alle H\u00e4user und Wohnungen den Zuschlag erhalten wird.<br \/>\nDazu sind alle, der Architekt, die Bauherren, also die zuk\u00fcnftigen Eigent\u00fcmer, die Mitbewerber und unser Fensterbaumeister eingeladen. Vor dieser Runde, und vor allem vor diesen anderen Handwerkern soll er nun sein Produkt vorstellen, erkl\u00e4ren, bewerben und gegen die Konkurrenz verteidigen.<\/p>\n<p>Dabei denkt er, mein Produkt ist freilich das beste, das sieht doch jeder, da muss man keine gro\u00dfen Worte machen.<br \/>\nEine Woche nach dieser Bemusterung erf\u00e4hrt er vom Architekten, dass sich die Auftraggeber f\u00fcr eine andere Fensterbaufirma entschieden haben.<br \/>\nEr fragt sich, warum nur, warum nur haben die sich nicht f\u00fcr ihn, den mit der besten Qualit\u00e4t entschieden.<\/p>\n<p><b>Eine letzte Geschichte:<\/b><br \/>\nUnser Meister ist mit der Disziplin und der Arbeitsmoral einiger seiner Gesellen nicht zufrieden.<br \/>\nAus diesem Grunde ruft er an einem Freitagnachmittag seine Belegschaft zusammen um in einer Versammlung diese Problematik ausf\u00fchrlich zu besprechen.<br \/>\nAls sich nun alle versammelt haben beginnt unser Meister von den Baustellen zu erz\u00e4hlen und von dem, was er demn\u00e4chst alles vor hat. Zwischendurch f\u00e4llt ihm noch ein, dass er ein paar Sachen vergessen hat zu bestellen \u2013 er muss schnell mal telefonieren und als er zur\u00fcck kommt, sind einige Mitarbeiter auf der Raucherinsel abwesend und einige laden die Autos f\u00fcr die n\u00e4chste Woche vor. Unser Meister ruft alle wieder herein. Nun reicht es ihm aber mit dieser Disziplinlosigkeit. Er schimpft \u00fcber alle und jeden, ohne konkret zu werden, w\u00e4rmt alle gemachten Verfehlungen der letzten Jahre nochmals auf und schildert pointiert und namentlich, wie sich die aus seiner Sicht krassesten Fehler dargestellt haben. Dabei spricht er laut, manchmal schreit er, klopft sich immer wieder auf die Stirn und schl\u00e4gt mit der Hand auf den Tisch.<br \/>\nAm Ende der \u201eBesprechung\u201c verlassen alle Mitarbeiter schweigend den Raum. Am darauf folgenden Montag erh\u00e4lt er f\u00fcnf Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen.<\/p>\n<p>Diese drei kleinen Episoden sollen verdeutlichen, dass jeder Mensch f\u00fcr bestimmte Situationen in seinem Leben mit rhetorischen Fertigkeiten eine h\u00f6here Selbstwirksamkeit erzielen k\u00f6nnte. Dabei geht es nicht um geschickte Wortjonglierungen, Manipulationen und \u00dcberredungskunst, sondern schlicht darum, durch die Anwendung von \u00fcberzeugender angemessener Sprache, Verst\u00e4ndlichkeit und Vertrauen aufzubauen.<br \/>\nDenn nur wer sich wirklich verst\u00e4ndlich machen kann, also ein Zustand entsteht, in dem der Andere nicht nur h\u00f6rt was ich sage, sondern auch versteht was ich meine, kann die Basis f\u00fcr Vertrauen entstehen. Und Vertrauen steht am Anfang eines jeden Gesch\u00e4fts.<br \/>\nJeder Mensch, der tagt\u00e4glich zwischenmenschliche Interaktion pflegt oder pflegen muss, braucht diese Art der \u00dcberzeugungskraft und dieses Vertrauens, um sein Tagwerk zu realisieren.<\/p>\n<p>Der Handwerksmeister befindet sich innerhalb eines Spannungsbogens zwischen,<br \/>\ndem <b>Kunden<\/b>,<br \/>\ndem <b>Einkauf<\/b>, bei dem der Handwerker als Kunde verhandeln muss,<br \/>\nden <b>finanziellen Dienstleistern und Aufsichten<\/b>, also den Banken, Kapitalgebern bis hin zu den Finanzamt,<br \/>\nden <b>Mitarbeitern<\/b>, die sowohl Vertrauen, F\u00f6rderung, Anleitung aber auch Forderung und Kontrolle bed\u00fcrfen, gelobt und kritisiert werden m\u00fcssen,<br \/>\nder <b>Familie<\/b>, die sowohl Quelle der Kraft ist, wie auch Anspruch auf Zuwendung und Achtsamkeit hat und letztendlich,<br \/>\nden <b>Freunden<\/b> des Handwerkers, die ebenfalls mit Beachtung bedacht werden m\u00fcssen, wenn sich Freundschaften nicht zur Einbahnstra\u00dfe damit ins Aus entwickeln sollen.<\/p>\n<p><b>Was passiert in einem Rhetorikseminar f\u00fcr Handwerksmeister? <\/b><\/p>\n<p>Jeder gesunde Mensch kann reden und hat die M\u00f6glichkeit sich mitzuteilen. Ganz intuitiv haben wir neben dem eigentlichen Spracherwerb auch gelernt, wann wir, wie, welche Worte einsetzen sollten und welche Wirkungen wir damit erzielen.<\/p>\n<p>Wir senden Worte aus und beobachten, was diese Worte f\u00fcr Reaktionen bei dem Empf\u00e4nger ausl\u00f6sen. Stellt uns das Ergebnis zufrieden, denken wir nicht l\u00e4nger nach und gehen davon aus, das wir richtig verstanden wurden und alles o.k. ist.<br \/>\nSchwierig wird es erst, wenn die Reaktion nicht wunschgerecht ausf\u00e4llt. Jetzt gilt es zu ermitteln, wie es m\u00f6glich war, das eine kommunikative St\u00f6rung eingetreten ist.<\/p>\n<p>Genau hier setzt ein Rhetorikseminar an. Es wird also gelernt und vermittelt, wie die zwischenmenschliche Interaktion reibungsfreier funktionieren kann und wie ich mit meiner Ausdrucksweise meine Gedanken, anderen Menschen \u2013 hirngerecht \u2013 also verarbeitbar und merkbar vermitteln kann.<br \/>\nIn einem solchen Seminar erfahre ich, wie ich mich wirkungsvoller ausdr\u00fccken kann und wie es mir gelingen kann, dass andere Menschen mir bei meinen Ausf\u00fchrungen mehr Beachtung schenken. Denn darum geht es, jeder Mensch m\u00f6chte, dass er beachtet und wertgesch\u00e4tzt wird. Das erreicht er jedoch nur, wenn er authentisch, souver\u00e4n, \u00fcberzeugend und situationsgerecht agiert.<br \/>\nDaf\u00fcr bekommt der Handwerksmeister, der ein solches Seminar besucht etwas ganz wichtiges, das er sonst wohl nur von guten Freunden erh\u00e4lt \u2013 n\u00e4mlich ehrliches <b>FEEDBACK<\/b>!<br \/>\nVielen Menschen fehlt diese wichtige Erfahrung, die so entscheidend f\u00fcr eine realistische Einsch\u00e4tzung des Eigenbildes ist, eben diese Feedbacks anderer Menschen.<br \/>\nFeedback erdet.<br \/>\nDeshalb lernen die Seminarteilnehmer nicht nur, wie sich besser verst\u00e4ndlich machen k\u00f6nnen, wie sie Aufmerksamkeit ernten, Beachtung geschenkt bekommen, Unterbrechern und St\u00f6rern begegnen m\u00fcssen und schlussendlich ihre Selbstwirksamkeit erh\u00f6hen, sondern sie erhalten auch ein Feedback zu ihrer Wirkung auf andere Menschen in verschiedenen Situationen. Sie lernen sich dabei auch ein bisschen selbst besser kennen.<br \/>\nNat\u00fcrlich lernt man Sprechen nur mit und beim Sprechen. Das bringt jedoch viel Spa\u00df, und nichts macht Menschen erfolgreicher als der Erfolg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWozu braucht der Meister denn Rhetorik \u2013 muss der jetzt Reden halten?\u201c Warum Handwerksmeister sich rhetorisch schulen lassen sollten. 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